Leseprobe 3 – Rauf, runter, rüber, her und wieder zurück – unser Affenverstand

von 30.03.20190 Kommentare

Unser Geist hat nicht erst seit der Erfindung von Mobiltelefonen die Tendenz, abzuschweifen. Meditierende haben bereits vor tausenden Jahren beobachtet, dass unser Bewusstseinsstrom im Alltag eher chaotisch und sprunghaft ist, dass wir dazu neigen, von einem Inhalt zum nächsten zu wechseln, in die Vergangenheit und in die Zukunft abzuschweifen, uns in Details oder Nebensächlichkeiten zu verlieren oder uns von äußeren Reizen ablenken zu lassen. Es ist deshalb häufig vom „monkey mind“ die Rede, der wie ein wildgewordener Affe von einem Ort zum anderen springt. Ein wesentliches Ziel der Meditationspraxis ist es, mit diesem unsteten Geist vertraut zu werden und ihn zu schulen.

Unser Affenverstand…                                                                                                                                 …gezähmt

Mit bestimmten fokussierenden Achtsamkeitspraktiken & Achtsamkeitsmeditation, die wir in unserem Achtsamkeitskurs vermitteln, können wir unsere Aufmerksamkeit stärken (Metaanalysen zeigen hier eindeutige Effekte). Sehr gut untersucht ist beispielsweise, dass Achtsamkeitsmeditation die „exekutive Aufmerksamkeit“ verbessert, also die Fähigkeit, Störreize auszublenden [1].

Chade-Meng Tang, der Achtsamkeitspionier bei Google, hat die Qualität eines erhöhten Fokus sehr treffend so beschrieben: „Bei der fokussierten Aufmerksamkeit haben wir es mit der starken Aufmerksamkeit auf ein gewähltes Objekt zu tun. Sie ist stark, stabil und unerschütterlich. Sie ist wie Sonnenlicht, das von einer Linse zu einem intensiven Strahl gebündelt wird und auf einen einzigen Punkt fällt.“ [2]

Wir können also die Affen in unserem Kopf dressieren, oder wenn Sie Hunde lieber mögen als Affen, gefällt Ihnen diese Metapher vielleicht besser: Wir können uns den Geist wie einen jungen Welpen vorstellen, dem wir das Kommando „Platz“ beibringen. Er soll lernen, an einer Stelle sitzenzubleiben bis man ihm erlaubt, wieder herumzutollen. Natürlich wird der Kleine zunächst immer wieder davontapsen. Unsere Aufgabe ist es, ihn sanft, aber beharrlich immer wieder auf seinen Platz zurückzuholen. Natürlich braucht es dafür Geduld: Wenn wir nach wenigen Versuchen aufgeben, dann wird das nichts mit der Hundeerziehung. In diesem Sinne: Auf geht‘s in die erste Übung: Plaaaatz…!

 

[1] Amishi P. Jha/Jason Krompinger/Michael J. Baime: “Mindfulness training modifies subsystems of attention”, in: Cognitive Affective & Behavioral Neuroscience. Juli 2007.S.109-119.

[2] Tan, Chade-Meng: Search Inside Yourself.München 2012. S. 123.

 

Gespannt, wie es weitergeht?

 

 

 
 
 

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